Bibi und Marki

Marki hat eine gute Figur gemacht – damals vor 19 Jahren, als der 26-Jährige sein erstes Fußball-Bundesliga-Spiel als Schiedsrichter geleitet hat. Damals, als der 1,81 Meter große schwarzhaarige Markus Merk stellvertretend für den Berufsstand der Zahnärzte debütierte. Die Presse schloss den damaligen Zahnmedizin-Studenten im kurzen Schwarzen ins Herz und formulierte liebevoll: „Super-Marki – heute zieht er gelbe Karten statt Zähne.“ Als Unverschämtheit bezeichneten Journalisten das Gerücht, dass sich ein Gespräch mit dem Waldhof-Buben Christian Wörns um den Vorteil einer hohen Stimme mit narkotisierender Wirkung für etwaige Gegenüber gedreht haben soll.

Vergangene Woche folgte der nächste historische Schiedsrichter-Moment. Bibiana Steinhaus – die erste weibliche Unparteiische im Profi-Fußball. Ihr Zweitliga-Debüt – ein Auftritt, stellvertretend für das weibliche Geschlecht. Die Medien schwärmen fast poetisch von der 1,81 Meter großen, schönen, süßen, strengen, blonden, hochgelobten, Marathon laufenden Polizei-Pfeifen-Frau und Pionier-Schiri-Lady. „Super-Bibi“ steht als „echter Hingucker“ selbst beim Langeweile-Kick „ihren Mann“ und macht im neongelben Trikot „eine gute Figur als bester Mann auf dem Platz“.

Die Presse zeigt sich empört über Paderborns Stürmer Alexander Löbe, der zu potentiellen Flirts mit der Schiedsrichterin gesagt hatte: „Die Frage ist eine Frechheit. Habt ihr euch die mal richtig angeschaut?“ Gut, dass es Verteidiger der Emanzipation gibt. „Bei uns in Brasilien sind Schiedsrichterinnen völlig normal. Eine war vor kurzem im Playboy. Das waren tolle Fotos“, erklärt Hoffenheims Brasilianer Carlos Eduardo. Sein Trainer Ralf Rangnick: „Wenn man nicht gewusst hätte, dass eine Frau pfeift, man wäre nicht drauf gekommen.“

Übrigens, der Verfasser dieses Textes ist über jeden Zweifel erhaben, was die Richtigkeit der Aussagen betrifft. Schließlich spielte er über fünf Jahre lang fast jeden Montag mit Frau Steinhaus Fußball und nahm ihr in der Sport-Abitur-Prüfung ganze 0,3 Sekunden im 100-Meter-Sprint ab. Allerdings prophezeite er 1998 in der Abiturzeitung, dass Bibiana Steinhaus (erst) 2008 die erste Profi-Schiedsrichterin sein werde. Zahnärzte und Frauen zu unterschätzen, kann ein großer Fehler sein.

Kommentieren