Diplomarbeit: “Ich fand dich stark!”

Seit Jahrzehnten wird Sportjournalisten mangelnde kritische Distanz vorgehalten. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit diesem Vorwurf, indem über die Schilderung subjektiver Beobachtungen hinausgehend die Sportberichterstattung deutscher regionaler Tageszeitungen empirisch untersucht wird. Erstmals wird ein Katalog von Indikatoren zusammengestellt, der sich auf Textmerkmale bezieht und in seiner Gesamtheit mangelnde kritische Distanz in der Berichterstattung anzeigt. Der Text hat das Ziel die Frage zu beantworten, wie kritisch, distanziert über die Fußball-WM 2006 und die deutsche Nationalmannschaft während der Viertel- und Halbfinal-Spiele berichtet wurde. Dabei wird untersucht, ob ein signifikanter Unterschied zwischen den Texten akkreditierter und nicht akkreditierter Urheber sowie zwischen den Texten der Zeitungen, die ihre Berichterstattung teilweise auf akkreditierte eigene Journalisten stützen, und den Texten der Zeitungen ohne akkreditierte eigene Journalisten besteht. Es wird die Methode der Inhaltsanalyse genutzt. Die Arbeit basiert auf 2349 Analyseeinheiten, die sich aus 782 Artikeln, 675 wertenden Aussagen und 892 Attributionen zusammensetzen. Diese Fälle stammen aus der überregionalen Sportberichterstattung acht deutscher regionaler Mittel- und Kleinzeitungen, die „Publizistische Einheiten“ sind. Das Ergebnis ist, dass akkreditierte Regionalzeitungsredakteure unkritischer, distanzloser berichten als nicht akkreditierte Redakteure der Regionalzeitungen. Gestützt auf dieselben Indikatoren wird jedoch nicht verifiziert, dass Zeitungen, die ihre Berichterstattung teilweise auf akkreditierte eigene Journalisten stützen, unkritischer und distanzloser schreiben als solche ohne akkreditierte eigene Redakteure. Wenn allerdings allein die meinungsbetonte Berichterstattung betrachtet wird, kommentieren „akkreditierte“ Zeitungen unkritischer als „nicht akkreditierte“ Zeitungen. Künftige Forschungen können sich auf den Indikatoren-Katalog zur Messung kritischer Distanz in der Berichterstattung beziehen bzw. diesen weiterentwickeln sowie die Arbeit als Anregung verstehen, den Sportjournalismus nicht nur kritisch beschreibend zu begleiten, sondern ihn weiter auch empirisch überprüfbar zu untersuchen.

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Abstract (english)

For several decades sports journalists have been charged with a lack of critical distance from their subject. This charge will be discussed by the present thesis. It does not simply describe instances of subjective observation but investigates empirically the coverage of sports events in regional newspapers. For the first time a set of indicators is developed relating to textual features which in their entirety are marking a lack of critical distance in press coverage of sports events. This paper aims at answering the question if the press maintained a critical and detached position in its coverage of the 2006 football world cup and, in particular, of the performance of the German national team in the quarter-finals and semi-finals. It examines if there exists a significant difference between the texts of accredited and non accredited authors as well as between the texts printed in newspapers whose coverage is based on accredited journalists and those printed in newspapers whose coverage is not based on accredited journalists. The method approach applied is content analysis. Research is based on a sample of 2349 analytical units composed of 782 articles plus 675 judgmental statements and 892 attributions. The sample cases derive from the coverage of nationwide sports events in small or medium-sized regional newspapers constituting “independent editorial units”. The first result of this content analysis is that accredited regional newspaper editors report in a less critical or detached way than non-accredited regional newspaper editors. Content analysis of the same sample, however, cannot verify the assumption that texts in newspapers whose coverage is in part based on their own accredited journalists are written in a less critial or detached way than are texts in newspapers without own accredited journalists. However, as far as opinion pieces are concerned “accredited” newspapers comment on sports events in a less critical way than do “non-accredited” newspapers. Future research can seize and enhance the suggestion of a set of indicators for the rating of critical distance as developed in this thesis. This thesis proposes to move beyond a mere critical description of sports journalism. Instead it aims at constituting sports journalism as an object of empirical research.

1 Kommentar zu „Diplomarbeit: “Ich fand dich stark!”“

  1. Töpperwien: Ich liebe den Fußball | newsportsjournalism.de sagt:

    [...] mangelnde kritische Distanz vorgeworfen, durchaus auch aus den eigenen Reihen, aber auch in meiner Diplomarbeit, in deren Titel sich ein Zitat Töpperwiens befindet. Im Gespräch mit newsportsjournalism.de [...]