Töpperwien: Ich liebe den Fußball

Er selbst bezeichnet sich als Fußball-Fan, Reporter – auch als Journalist. Fast seine 37-jährige ZDF-Rekord-Karriere hindurch mit 1444 Bundesliga-Reportagen für das „Aktuelle Sportstudio“ wird Rolf Töpperwien mangelnde kritische Distanz vorgeworfen, durchaus auch aus den eigenen Reihen, aber auch in meiner Diplomarbeit “Ich fand dich stark!”, in deren Titel sich ein Zitat Töpperwiens befindet. Im Gespräch mit newsportsjournalism.de räumt der 60-jährige gebürtige Harzer, der Ende September in den Ruhestand gegangen ist und pünktlich dazu eine Autobiografie geschrieben hat, mit einigen Missverständnissen auf. Darin: viel Eigenlob – und auch Passagen, die zeigen, zu welchen Schwierigkeiten undistanzierte Berichterstattung im Sportjournalisus führen kann.

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Von Sebastian A. Reichert

„Ich habe nie die ganze Woche gegrübelt, was ich aufdecken könne. Von so einer Berufsauffassung bin ich weit entfernt. Ich wollte immer in erster Linie ein spannendes Fußballspiel zeigen“, sagt Töpperwien im Gespräch mit newsportsjournalism.de. „Ich habe für das Publikum gearbeitet – und nicht für meine Vorgesetzten“, fügt er an. Auf die Frage, ob kritische Berichterstattung nicht auch zum Nutzen des Publikum sei, entgegnet er, dass Unterhaltung und Kritik sich im Sportjournalismus nicht ausschließen würden.

Seine laut eigener Auffassung unterhaltende aber zugleich kritische Arbeitsweise untermauert der gebürtige Harzer damit, dass aufgrund der in seinem „Sportstudio“-Bericht am 8. September 1979 gezeigten Bilder der DFB das erste TV-Urteil in Deutschland fällte. Der Frankfurter Bruno Pezzey wurde damals wegen eines vom Schiedsrichter unbemerkten Griffs zwischen die Beine seines Gegenspielers für acht Wochen gesperrt und bekam eine Geldstrafe von 10.000 D-Mark.

Dass Töpperwien öfter die Arbeitsbezeichnung des „Reporters“ als des „Journalisten“ für sich verwendet, liegt darin, dass er als Journalisten eher Mitarbeiter bei Zeitungen definiert. Die zudem ständig die Reporter, nämlich die Berichterstatter des Fernsehens, kritisieren würden. „Eigentlich sind wir doch Kollegen“, sagt Töpperwien, „und es gehört sich nicht, über Kollegen herzuziehen.“ Enttäuscht habe er selbst mal vorgeschlagen, beim „Sportstudio“ eine Rubrik einzurichten, die die Fehler der Zeitungsjournalisten zeige. „Das wäre ein riesiger Erfolg geworden“, erklärt der 60-Jährige.

Töpperwien hatte einmal gesagt, dass er Fußballer und Journalisten als eine große Familie verstehe. Er gehöre nicht zu den Journalisten, die sagen, es seien zwei Boote, in denen Journalisten und Sportler sitzen. Sie würden vielmehr in einem Boot sitzen. „Ich war mir völlig bewusst, dass ich für diese Aussage Prügel beziehen würde“, sagt Töpperwien. „Ich habe das trotzdem gesagt. Weil es stimmt.“

Heftige Kritik musste der ZDF-Reporter auch für sein TV-Gespräch mit Mario Basler einstecken. Töpperwien hatte ein Interview mit dem Fußballer mit dem Lob begonnen: „Ich fand dich stark!“ Worauf der damalige Kaiserslauterer Spieler, der nicht zurückduzte, entgegnete: „Da sind Sie aber der Einzige.“ Gegenüber newsportsjournalism.de weist Töpperwien darauf hin, dass dieses Gespräch „ein Scherz“ gewesen sei. „Mario und ich sind schon ewig miteinander befreundet. Er hatte bei der Antwort die Narrenkappe auf, wir haben uns beide auf die Schenkel geklopft.“ Das Problem sei, dass Journalisten solche Sachen ungeprüft voneinander abschrieben würden. „Und dann geistert so etwas ewig durch die Welt.“

Und dennoch: In seiner pünktlich zum Eintritt in den Ruhestand im Rotbuch-Verlag erschienenden Autobiografie („Rolf Töpperwien: Von Braunschweig bis Johannesburg”) sind auch Passagen enthalten, die zeigen, dass der Reporter aufgrund seiner Berufsauffassung durchaus auch in Konflikte zwischen Privatem und Journalistischem geraten ist. Vier Tage nachdem der Reporter seinen 50. Geburtstag gefeiert hatte, bei dem Otto Rehhagel eine Rede gehalten hatte, berichtete Töpperwien vom Spiel Kaiserslautern gegen Cottbus (1:1). Es war das letzte Spiel Rehhagels auf der FCK-Bank.

„Das war natürlich schon schwierig, ihn kritisch zu fragen, ob er weiter Lauterer Trainer bleibe. Aber ich habe es gemacht. Dass ich in solchen Situationen nicht kneife, sieht man doch auch daran, dass Otto nach meiner letzten Reportage Ende September nicht zu meinem 60. Geburtstag gekommen ist.“ Eine ähnliche Situation, wie die am Betzenberg, hatte sich zuvor bei der Weltmeisterschaft 2010 wiederholt. Der Reporter hatte seinen Spezi Rehhagel, mit dem er zu Bremer Zeiten mal Brüderschaft getrunken hatte, nun als Nationaltrainer Griechenlands nach dem Turnier-Aus seines Teams nach seiner beruflichen Zukunft gefragt.

Wäre es aufgrund solcher Konflikte nicht besser, private Freundschaften und journalistische Arbeit zu trennen? „Dann wäre meine Arbeit und mein Leben viel ärmer gewesen“, antwortet Töpperwien im Gespräch mit news.de. „Ich liebe den Fußball. Jemand, der das Theater liebt, will doch auch die Schauspieler kennen lernen und möchte von ihnen Autogramme haben.“

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